Am Dienstag morgen um 5:45 Uhr klingelte mein Wecker nach 4,5 Stunden Schlaf. Jammern half nichts, denn ich wollte es ja nicht anders und so duschte ich erstmal. Etwas verschlafen traf ich danach Betti, Stefan und Andreas in der Küche. Da Stefan und mein Zug nach Köln um 7 Uhr in Anwanden losfuhr und Bettis Auto da noch stand, fuhr uns Andi zum Bahnhof. Diesmal klappte das Umsteigen in den Zug nach Köln wie geplant, aber skeptisch auf Bahnreisen mit Umsteigen bin ich immer noch.

Jetzt hatten Stefan und ich Zeit 4,5 Stunden auf der Fahrt nach Köln zu dösen und uns zu unterhalten. Ich finde die Fahrt verlief sehr angenehm und fühlte sich auch nicht extrem lang an. Irgendwann in der Mitte fiel uns ein, dass eigentlich die Redshirts aus München, die ja einen früheren Zug genommen hatten, theoretisch auch bei uns sein könnten, da Nürnberg ja automatisch eine Stunde später dran war. Lachend machten wir uns auf die schwankende Suche im fahrenden Zug. Wir fanden aber keinen, nur ein freies Abteil und verbrachten die restliche Stunde alleine und Musik hörend (3x dürft ihr raten) hier.

In Köln angekommen, gingen wir dann erstmal in unser Hostel, das 800 Meter vom Hauptbahnhof entfernt war, luden nur kurz unsere Sachen ab und machten uns dann wieder auf den Weg zum Hauptbahnhof. Jetzt hätten wir direkt zur Halle gehen müssen, um noch in der ersten Reihe stehen zu können, da es bereits 13 Uhr war, aber wir hatten diesmal keine Lust und wollten erstmal etwas essen. Auf der Suche nach einem Lokal, betrachten wir auch noch den Kölner Dom und die Brücke mit den vielen Schlössern und fanden schließlich eine offene Kantine in einem Geschäftskomplex, wo wir Kassler, Kartoffelbrei und Bohnen für unschlagbare 4,80€ geniessen konnten.

Nach dem Essen zog es uns immer noch nicht zur Halle und wir schlenderten noch kurz am Hyatt vorbei, wo wir Anastacia vermuteten, uns aber nicht sicher waren. Hier trafen wir wieder auf einen Reporter, der ein Foto wegen der Lippensache machen wollte. Wir zeigten ihm Anastacia’s Twitter Antwort und rollten ein bisschen mit den Augen. Dann fuhren wir um ca. 16 Uhr zur Halle wo schon ca. 50 Leute (erste Reihe ade) anstanden. Auch unsere Rollstuhlfahrerin Doreen war schon da, obwohl die ja gar nicht anstehen müsste, aber sie sagte sie wolle das auch mal erleben, frieren und Soundcheck hören, etc. Solange sie glücklich war, war mir das recht. Allerdings brauchte sie Jemanden, der sie in die Halle begleitete und außer mir war keiner bereit dazu. Jetzt hatte ich endgültig keine Chance mehr zu rennen und so stellte sich nur Stefan an, um uns wenigstens annehmbare Plätze zu beschaffen. Ich probierte noch die Security davon zu überzeugen, die Rollstuhlfahrer und Begleiter eher rein zu lassen, hatte aber leider keine Chance. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mir meine Karte und die 70€ sparen können aber was tut man nicht alles für die fanily.

Also schob ich so schnell wie möglich Doreen rein, während wir den Weg kreuzen mussten, den die anderen rennen, voll bescheuert. Aber sie machten wenigstens Blockabfertigung und so war der Einlass wesentlich besser organisiert. Danach joggte ich nach vorne und kam zeitgleich mit Stefan in der vierten Reihe an. Das war für die „geringe“ Anstellzeit annehmbar und so erlebten wir die Show vom Vortag nochmal mit etwas mehr Abstand. Allerdings muss man sagen, dass zwar die gesamte Halle lauter klatschte, was nicht schwer war, da sie dreimal größer war und gut gefüllt, die Stimmung aus den ersten Reihen aber sehr einschläfernd war. Vermutlich waren einige ganz schön kaputt vom Frieren. Die Fragerunde fiel auch etwas kürzer aus, weil gleich bei der ersten Frage eine Schlagzeugerin auf die Bühne wollte und mit ihr ein Lied gespielt wurde. Was echt cool war, aber leider die Comedieeinlagen etwas reduzierte. Allerdings erinnerte sich Anastacia an ihren Deutschunterricht in Köln und haute ein paar „Das ist gut“ „Fantastisch“ „Ick liebe dick“ (zu Stefan) Floskeln raus, was natürlich immer gut ankommt. Am besten war der Satz, dass sie endlich nach 16 Jahren verstanden hätte, dass es nicht Colone, sondern Gööln hieße. Am Ende ging Anastacia am Rand vorbei und hinter auf die Bar und sang und tanzte das vorletzte Lied hier. Was schon lustig war, nur leider sah ich es wegen dem zu großen Abstand nicht.

Nach dem Konzert waren Stefan und ich total erledigt und waren uns einig, dass zwei Stehkonzerte an zwei Tagen in zwei verschiedenen Städten wohl doch etwas viel war. Wir gingen noch nicht mal mit zum Hyatt wie Nati und Nina, sondern gingen direkt in unser Hostel, wo wir bis 1 Uhr erschöpft aber durstig noch etwas tranken und dann ins Bett fielen. Nati erzählte uns noch, dass sie Anastacia getroffen hatten und sie erfahren hatte, dass sie morgen um 13 Uhr das Hotel Richtung Flughafen verlassen wollte und Nati für uns ein Date zu dritt ausgemacht hätte. Das war super lieb von ihr und reizvoll, aber auch sehr risikoreich, da unser Bus um 13:40 Uhr ging und wir eigentlich um 13:25 Uhr am Busbahnhof sein sollten. Aus der Erfahrung wussten wir auch, dass Anastacia nicht immer pünktlich kam und so war es schon wieder sehr kompliziert. Aber wir waren sogar zu müde, um uns darum Sorgen zu machen und gingen erstmal schlafen.

7,5 Stunden später trafen wir uns schon wieder an der Rezeption, denn jeder hatte in einem 4-Bett-Frau, bzw. Mann Zimmer geschlafen, was erstaunlich unkompliziert war. Wir frühstückten beim McDonalds und überlegten, wie wir den Spagat zwischen Hyatt und Busbahnhof in 5 Minuten hinkriegen sollten, selbst das Taxi brauchte 10 Minuten. Das artete schon wieder in ziemlicher nervlicher Beanspruchung aus. Warum musste es immer so kompliziert sein? Jetzt hatten wir wunderbar Zeit und später würde es wieder Gehetze geben. Aber Nati absagen wollten wir auch nicht. Letztendlich sagte sie uns ab, weil ihr Freund zum Arzt musste. Sie bat uns aber schöne Grüße auszurichten und zu erklären warum sie nicht kommen könne. Also mussten wir es zumindest versuchen. Bevor es soweit war, machten wir noch eine Fahrt mit dem lustigen Lukas, der Bimmelbahn durch die Kölner Innenstadt, vorbei an vielen Kirchen und Museen. Wir waren ganz allein und wurden auf dem Kopfsteinpflaster kräftig durchgeschüttelt. Hatten aber auch riesigen Spass, indem wir jedes Köln Wort des sporadischen, halb defekten Audioguides nachgröllten: Gööln. Danach gingen wir noch in „unsere Kantine“ und gönnten uns um 11:30 Uhr ein frühes Mittagessen.

Als es dann langsam kurz nach 12 Uhr war, wurden wir etwas nervös und machten uns auf den Weg zum Hyatt. Wir waren ganz allein vor den Toren und hofften einfach Anastacia würde pünktlich oder vielleicht sogar etwas eher kommen. Um 12:45 Uhr trauten wir unseren Augen kaum, als schon der schwarze Bus vorfuhr und Sekunden später kam Anastacia schon raus. Wir standen seitlich hinter dem Bus und sie ging direkt auf uns zu. Als Erstes richtete ich die Grüße und Erklärung von Nati aus. Stefan sagte dann, dass das Konzert gestern echt super war, worauf sie antwortete eure lieben Gesichter hab ich doch auch schon in München gesehen und sich für die Unterstützung bedankte. Schmelz. Dann machten wir einzeln ein paar Fotos mit ihr und als ich noch eins zu dritt wollte, meinte sie na klar, aber mit dem Dom im Hintergrund, wenn schon denn schon. Dann verabschiedete sie sich mit Umarmung und Küsschen, da sie ja ihren Flieger kriegen musste, was uns diesmal gar nicht störte, da wir so auch noch zum Bus laufen konnten.

Glücklich und ganz ohne Zeitdruck schlenderten wir zum Busbahnhof, unser Bus kam pünktlich und war fast leer, so dass wir freie Platzwahl hatten. Wir machten es uns gemütlich und ließen uns wieder zurück nach Nürnberg fahren. Der Mittwoch hatte mit unserem Sightseeing und dem Highlight am Schluss so viel Spaß gemacht, dass Stefan und ich uns einig waren. Der Tripp hat sich absolut gelohnt, Schlaf wird überbewertet und wir würden es jederzeit wieder machen. Insgeheim sind wir aber trotzdem froh, dass der nächste Tripp nach Wien mit chilligen zwei Übernachtungen und dem Sitzplatzkonzert (in der ersten Reihe!) wesentlich entspannter laufen wird.

Grins,
eure Andi
Gööln

–Du bist nicht angemeldet und kannst daher nicht alles sehen!–